Drei Frauen bestellen sich „Himmelsleuchten“ / „Himmelslaternen“ über das Internet in China. Nicht wissend, dass diese in Deutschland aus guten Gründen verboten sind, zünden sie diese in der Neujahrsnacht an und lassen sie emporschweben. Danach soll durch mindestens eine dieser Himmelsleuchten das Affentropenhaus im Krefelder Zoo in Brand gesetzt worden sein – mit dramatischen Folgen.

Noch am Neujahrstag meldeten sich drei völlig unter Schock stehende Frauen bei der Polizei als mögliche Verursacherinnen. Alle drei Frauen meldeten sich ohne anwaltlichen Beistand. Kriminalhauptkommissar Gerd Hoppmann bezeichnete dies als „sehr couragiert“ und „hochanständig“. Betrachtet man dieses Verhalten aber einmal nicht durch die Brille eines Ermittlers, der sich möglichst viel Arbeit sparen will, so kann man es nur als naiv und höchst nachlässig bezeichnen.

Kein direkter Vorsatz, aber…

Nun dachten sich die drei Damen, dass sie bestimmt nichts zu befürchten hätten. Denn sie haben diese Tat ja gewiss nicht mit Absicht begangen.

Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, in denen dann doch Vorsatz angenommen wird. Und zwar dann, wenn man dem Tatverdächtigen zwar keinen direkten Vorsatz unterstellen kann, aber ihm trotzdem vorwirft, dass er die Folge seiner Tat für möglich gehalten und zugleich billigend in Kauf genommen habe (so bereits BGH, Urteil vom 22.04.1955 – 5 StR 35/55). Im Strafrecht nennt man dies Eventualvorsatz bzw. dolus eventualis. Die Grenzen zwischen (bewusster) Fahrlässigkeit und Eventualvorsatz sind fließend.

Nun spricht hier in der Tat nicht viel dafür, dass man auch nur einer der drei Tatverdächtigen Eventualvorsatz vorwerfen können wird hier allenfalls eine Verurteilung wegen einer – deutlich milder strafbewährten – fahrlässigen Brandstiftung droht.

Haftungsfalle „grobe Fahrlässigkeit“

Gleichwohl werden sie auch trotz fahrlässiger Begehung den entstandenen Schaden – immerhin ist ein großes Gebäude mit wertvollen Tieren und einer Anlage, die für ein tropisches Klima sorgte, niedergebrannt – dem Beteiber des Krefelder Zoos ersetzen müssen. Und hier taucht auch gleich das nächste Problem auf: Die Himmelsleuchten sollen in der Nähe des Zoos sowie von dichtem Baumbewuchs angezündet und steigen gelassen worden sein. Das könnte – je nach konkreten Tatumständen – als grob fahrlässiges Verhalten ausgelegt werden.

Selbst wenn also eine Haftpflichtversicherung bei der oder bei den Veranwwortlichen exisitieren sollte, von welcher der in Rede stehende Schaden gedeckt wäre, so könnte sich diese womöglich auf grobe Fahrlässigkeit berufen (§ 81 Abs. 2 VVG) und allenfalls einen Teil des Schadens ersetzen, während der Rest von der oder den Verantwortlichen weiterhin zu zahlen wäre.

Eine unbedachte Aussage im Polizeiprotokoll lässt sich kaum noch nachträglich korrigieren

In solche straf- und zivilrechtlichen Fallen fällt man nicht einmal unbedingt hinein, wenn man tatsächlich bedingt vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat. Es genügt bereits eine unbedachte Äußerung, die man bei der Polizei zu Protokoll gegeben hat. Oder auch eine Äußerung, die der Polizist einfach nur falsch protokolliert und die man selbst nachträglich sich nicht zu monieren getraut hat. Und selbst wenn man tatsächlich doch am Ende die Richtigkeit des Protokolls reklamiert und die Unterschrift verweigert, so landet es doch ohne Unterschrift in der Akte. Und vor Gericht erscheint dann der Vernehmungsbeamte als Zeuge, der bekundet: „Er hat das bei mir genauso gesagt, wie ich es aufgeschrieben habe.“

Seine frühere Aussage nachträglich zu korrigieren ist schwierig. Eine einmal getätigte Aussage ist und bleibt in der Akte. Und in aller Regel bekommt man diese vorgehalten, wenn man später eine abgeänderte Version erzählt.

Bevor man also übereifrig zur Polizei läuft und sich dort womöglich um Kopf und Kragen redet, sollte man sich zunächst um anwaltlichen Beistand kümmern. Dies ist auch an Feiertagen möglich. Mittels einer kurzen Suchmaschinen-Suche nach Notrufnummern von Strafverteidigern in der nächstgelegenen Großstadt wird man in aller Regel an jedem Tag und rund um die Uhr fündig.

Was bleibt den drei Krefelderinnen?

Falls sie ihre Aussagen tatsächlich in einem medizinischen Schockzustand getätigt haben sollten, können sie sich gegebenenfalls auf ein Verwertungsverbot berufen und eine neue Aussage tätigen.

Jedenfalls sollten sie sich spätestens jetzt unbedingt anwaltlichen Beistand besorgen. Dabei wird zu beachten sein, dass jede Frau einen separaten Rechtsanwalt beauftragen muss. Sollte tatsächlich sich ein Rechtsanwalt anbieten, alle drei gleichzeitig zu vertreten, wäre dies ein grober standesrechtlicher Verstoß. Denn im Ernstfall wird sich jede dieser drei Frauen auch gegenüber den übrigen beiden jeweils so schadlos halten wollen, wie es ihr nur möglich ist. Das muss ein Rechtsanwalt bereits vorher erkennen und eine gemeinsame Mandantierung ablehnen.

Jedenfalls wird es bei der Schuldfrage wohl darauf hinauslaufen, ob ein oder mehrere Laternen ursächlich für den Brand waren und wer von den drei Damen diese brandursächliche(n) Laterne(n) tatsächlich gezündet hat.

Hilfe der Advobaten in Notfällen

Als Fazit kann man nur ziehen: egal, wie tragisch der Fall ist und egal, wie sehr das eigene Gewissen drückt: bevor man sich keinen anwaltlichen Rat eingeholt hat, sollte man weder sich selbst bei der Polizei stellen, noch sollte man gegenüber der Polizei aussagen, wenn man von ihr aufgesucht wird.

In Strafsachen steht Ihnen unser spezialisierter Strafverteidiger Herr Rechtsanwalt Thorsten Hein in Bad Vilbel zur Verfügung. Er ist auch in Notfällen unter seiner Notrufnummer 069 / 401 547 591 außerhalb der üblichen Bürozeiten erreichbar.

Darüber hinaus verfügen wir auch über gute berufliche Kontakte zu Fachanwälten für Versicherungsrecht.