Schweigen Sie! Es ist ihr gutes Recht!

Ein heranwachsender Mandant wird beschuldigt, gemeinsam mit drei anderen auf einer Kirmes eine Gruppe Jugendlicher beleidigt und tätlich angegriffen zu haben. Die Polizei wird hinzugerufen. Mehr als ein Jahr später landet der Fall bei Gericht.

Bei der Polizei schwieg der Mandant konsequent. Vor Gericht schwieg er ebenfalls.

Der Geschädigte kann sich vor Gericht dann nur noch grob erinnern, dass mein Mandant passiv auf einer nahegelegenen Bank gesessen habe. Eine weibliche Zeugin kann sich gar nicht an ihn erinnen. Ein Zeuge belastet zwar meinen Mandanten, allerdings stehen seine Angaben bei Gericht in starkem Widerspruch zu seinen Angaben bei der Polizei. Außerdem war er derjenige von der „Geschädigtengruppe“, der unmittelbar vor dem angeblichen Vorfall nicht unerhebliche Mengen Alkohol getrunken hatte.

Freispruch durch Schweigen

Folgerichtig sprach das Gericht meinen Mandanten frei.

Sein Schweigen sowohl bei der Polizei, als auch bei Gericht war die einzig richtige Verteidigungsstrategie.

Der Grundsatz: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nicht zu schweigen“ gilt im Strafrecht nicht! Im Strafrecht gilt, dass Schweigen weder zugunsten, noch zulasten des Beschuldigten gewertet werden darf.

Am wichtigsten ist es, bei der Polizei zu schweigen!

Die besten Chancen auf eine erfolgreiche Verteidigung bestehen immer dann, wenn man bereits bei der Polizei konsequent schweigt – und zwar egal, ob man etwas vorwerfbares gemacht hat oder nicht. Denn man hat keinen Einfluss darauf, was der Polizeibeamte in die Akte notiert. Er kann Sachen weglassen, die er für unwichtig hält, obwohl sie tatsächlich wichtig sind – als Verteidiger mache ich gerade diese Erfahrung regelmäßig! Oder er kann etwas falsch aufgefasst haben und unrichtig wiedergeben.

Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie schweigen oder eine gemeinsam mit ihrem Verteidiger gefertigte schriftliche Einlassung abgeben. Welche Taktik die bessere ist, hängt vom Einzelfall ab.

Schweigen heißt auch, bei Kontrollmaßnahmen nicht mitzuwirken

Schweigen heißt auch, dass man bei Kontrollmaßnahmen allenfalls seinen Personalausweis, ggf. Führerschein und Fahrzeugpapiere zeigt, mehr aber auch nicht. Weder muss man sich in die Augen leuchten lassen, noch mit einem Test über die Stirn wischen, noch einen Urintest, geschweige denn eine Speichelprobe abgeben. Riskieren Sie lieber, mit auf die Wache genommen zu werden. Denn wenn einer dieser Schnelltests positiv ausfallen sollte, passiert dies sowieso. Anderenfalls hingegen haben Sie noch die Möglichkeit, dass die Kontrolle beendet wird und man Sie passieren lässt.

Eine Ausnahme gibt es: soll Ihnen auf der Dienststelle Blut abgenommen werden, müssen Sie dies über sich ergehen lassen – aber nur, wenn ein Arzt die Blutentnahme vornimmt! Möchte ein Polizeibeamter Hand anlegen, dürfen Sie dagegen protestieren und sich auch körperlich massiv wehren.

In Strafsachen verteidigt Sie gerne Herr Rechtsanwalt Thorsten Hein in Bad Vilbel. Er hat bereits eine Fachanwaltsausbildung erfolgreich absolviert und ist unser Spezialist für Strafrecht. Viele seiner bearbeiteten Verfahren werden nicht angeklagt, sondern eingestellt.

1 Kommentar

  1. Das ist ein interessanter Artikel zum Thema Schweigen. Ich konnte es nicht glauben, als mir mein Schwager von dieser Strategie erzählt hat. Ihre plausiblen Erläuterungen haben mich eines Besseren belehrt.

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