Arbeitsunfähigkeit – ist die ärztliche Bescheinigung Beweis genug für die Erkrankung?

Erkrankt ein Arbeitnehmer und ist er infolge dessen unfähig, seine Arbeitsleistung zu erbringen, muss er dies dem Arbeitgeber unverzüglich melden. In der Regel genügt hierfür ein kurzer Anruf kurz nach Auftreten der Erkrankung, spätestens aber am Morgen des ersten Fehltags.

Je nach arbeits- oder tarifvertraglicher Vereinbarung hat der Arbeitgeber entweder sofort, spätestens aber ab dem dritten Tag seiner Erkrankung die Arbeitsunfähigkeit durch Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („gelber Schein“) nachzuweisen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte immer gleich am ersten Tag der Erkrankung zum Hausarzt gehen, sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erteilen lassen und diese gleich beim Arbeitgeber abgeben. Viele Arbeitgeber sind einverstanden, wenn eine abfotografierte Bescheinigung per E-Mail übersandt wird, wenn das Original nachgereicht wird – dies sollte allerdings mit dem Arbeitgeber ausdrücklich vereinbart werden (z. B. Zustimmung per E-Mail von der Personalabteilung).

Und wenn der Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für falsch hält?

Für eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung streitet erst einmal die Vermutung, dass sie auch richtig ist. Allerdings steht es dem Arbeitgeber offen, den Beweiswert dieser Bescheinigung zu erschüttern. Erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann der Arbeitgeber z. B. dadurch, dass er darlegt und beweist kann, dass er sich mit dem Arbeitnehmer kurz vorher gestritten hat, insbesondere wenn der Arbeitnehmer dabei seine Arbeitsunfähigkeit angedroht hat. Bei gekündigten Arbeitsverhältnissen kann der Beweiswert der ärztlichen Bescheinigung auch dann durch den Arbeitgeber erschüttert werden, wenn der Arbeitnehmer innerhalb der letzten sechs Wochen vor dem Beendigungstermin sich ständig arbeitsunfähig meldet und hierbei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen verschiedener Ärzte vorlegt.

Nicht zuletzt kann die Richtigkeitsvermutung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch dadurch erschüttert werden, dass der Arzt den Arbeitnehmer gar nicht untersucht hat. Auch die Rückdatierung der Bescheinigung auf einen Tag vor der Untersuchung kann diese Richtigkeitsvermutung erschüttern, ebenso die Rückdatierung einer Folgebescheinigung auf einen Termin, der mehr als zwei Tage vor dem Tag der Untersuchung bzw. Ausstellung liegt.

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber auch den medizinischen Dienst der Krankenkassen mit der Untersuchung beauftragen, wenn er Zweifel an dessen Erkrankung hat. Allerdings ist hier teilweise mit wochenlangen Vorlaufzeiten zu rechnen.

Beweisführung?

Grundsätzlich trifft den Arbeitnehmer die Beweislast, dass er arbeitsunfähig war und ihm die gesetzliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber zusteht. Kann der Arbeitgeber die Beweiskraft der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erschüttern, muss der Arbeitnehmer weitere Beweismittel wie z. B. den behandelnden Arzt als Zeugen anbieten, um seiner Beweislast gerecht zu werden.

Schafft es der Arbeitgeber, eine vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit zu beweisen, kann er in aller Regel das Arbeitsverhältnis ohne vorherige Abmahnung fristlos kündigen. Allerdings ist es in der Praxis sehr häufig äußerst schwierig, überhaupt den Beweiswert der Arbeitsunfähigkeit zu erschüttern.

Für arbeitsrechtliche Fälle steht Ihnen – gleich ob Sie Arbeitgeber oder Arbeitnehmer sind – bei den Advobaten u. a. Frau Rechtsanwältin Ute Tünnermann-Kasch in Frankfurt am Main und Bad Vilbel zur Verfügung. Sie ist Fachanwältin für Arbeitsrecht. Insbesondere als Arbeitnehmer sollten Sie schnellstmöglich sich an einen Rechtsanwalt wenden, wenn Sie gekündigt wurden! Die Frist zur Erhebung der Klage gegen die Kündigung beträgt nur drei Wochen und fängt bereits mit Erhalt der Kündigung zu laufen an.

 

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