Erbfall: Immobilie

Ein gesellschaftliches Tabuthema ist auch heute noch der Tod. Dabei kommt es gerade für die Planungs- und Rechtssicherheit darauf an, sich frühzeitig mit dem Verfassen eines Testaments auseinanderzusetzen. Bestenfalls wird es in der eigenen Familie keine Kämpfe um die Hinterlassenschaften des Erblassers geben – und wenn das doch passiert? Vorzugsweise: Notarielles Testament hinterlassen Probleme gibt es immer dann, wenn vererbte Immobilien oder Grundstücke geteilt werden müssen. Wenn kein Testament hinterlassen wurde, tritt von Gesetzes wegen die gesetzliche Erbfolge ein. Das notarielle Testament bietet hier deutliche Vorteile, weil es den Nachlass idealerweise ausgeglichen verteilt und im Erbfall Rechtssicherheit gewährleistet. Grundbesitz oder Immobilien erben Wenn zum Nachlass ein unbebautes Grundstück oder eine Immobilie gehört, hat der Erbe nicht nur steuerrechtliche Überlegungen anzustellen. Es ist auch zu entscheiden, was mit der Immobilie passieren soll. Sofern der Erbe nicht selbst einziehen und das Erbe nutzen möchte, kann er es verkaufen oder vermieten. Er kann die Erbschaft auch ausschlagen. Übergang des Eigentums im Grundbuch veranlassen Nach dem Erbfall ist das Grundbuch zu ändern. Damit wird der Übergang des Eigentums auch rechtlich vollzogen. Erben oder Erbengemeinschaften müssen beim Grundbuchamt die Umschreibung veranlassen. Das geschieht – alternativ zu einem kostenpflichtigen Erbschein – durch Vorlage eines notariellen Testaments. Daraus muss sich zweifelsfrei und mit hinreichender Sicherheit die Rechtsnachfolge ergeben. (Nicht) Alle ziehen an einem Strang: Erbengemeinschaft Wer Einzelerbe ist, kann frei über die Immobilie verfügen. Bei Erbengemeinschaften ist in der Regel eine einstimmige Entscheidung erforderlich, was mit der Immobilie geschehen soll. Hier kommen der Verkauf, die Vermietung, die Einräumung von Nießbrauch oder Wohnungsrecht in Betracht. Möglich ist auch der Erwerb durch einen Miterben, der die anderen Miterben...

Grundbuchberichtigung auch ohne Erbschein

Sofern sich die Erbfolge aus einem notariellen Testament ergibt, kann eine aufgrund eines Erbfalls notwendige Grundbuchberichtigung auch ohne Erbschein erfolgen. Mit seinem Beschluss vom 26.07.2013 hat das OLG Hamm (Az.: 15 W 248/13) eine Zwischenverfügung des Grundbuchamtes Warendorf abgeändert, nach dem das Grundbuchamt den Erblassern aufgegeben hat, ihre Erbenstellung durch Erbschein nachzuweisen. Der Wille der Erblasser und … In dem gegenständlichen Sachverhalt hatten sich die Erblasser in einem notariellen Erbvertrag wechselseitig zu Alleinerben und ihre beiden Kinder zu Nacherben zu jeweils 1/2 eingesetzt. Nachdem beide Elternteile verstorben waren, beantragten die Kinder aufgrund des Erbvertrages die Eigentumsumschreibung im Grundbuch. Aufgrund des nicht widerspruchsfreien Wortlautes verlangte das Grundbuchamt trotz des notariellen Erbvertrages die Vorlage eines Erbschein. … die weite Auslegung des Erbvertrags Die Richter des Oberlandesgerichtes Hamm sahen das anders: Richtig sei zwar, dass nicht klar sei, ob die Kinder nur Schlusserben nach dem letztversterbenden Ehegatten sein sollten. Es sei auch denkbar, dass eine Vor- und Nacherbfolge bereits beim Tod des erstversterbenden Ehegatten eintreten sollte. Allerdings müsse vorliegend diese Unklarheit nicht aufgeklärt werden, da die weitere Auslegung des Erbvertrages, in dem auch die Rede von „unseren Kindern“ ist, zu dem Ergebnis führe, dass auch bei Annahme einer Vor- und Nacherbschaft nach dem erstversterbenden Elternteil zusätzlich eine Schlusserbeneinsetzung der Kinder nach dem letztversterbenden Elternteil gewollt war. Ihre Fragen zum Erben und Vererben, zu Testament und Erbvertrag beantwortet Rechtsanwältin Martina Kunze. Mehr zum Erbrecht: Erben und Vererben richtig...