Wenn zwei Zeugen unterschiedliche Geschichten erzählen

Nicht selten ist in einem Prozess die Rechtslage völlig klar. Es kommt lediglich darauf an, ob ein Kläger die Tatsachen, die seinen Anspruch gegen den Beklagten begründen würden, auch beweisen kann. Nicht selten kommt es vor Gericht zu Beweisaufnahmen, bei denen Zeugen und auch Sachverständige vernommen werden. Und diese wiederum nehmen nicht selten völlig unerwartete und überraschende Verläufe.

Parkhausfall vor dem Amtsgericht Erfurt

Der Beklagte wurde gerichtlich auf Schadenersatz in Anspruch genommen, da er mit seinem Kraftfahrzeug das Einfahrtsterminal eines Parkhauses gerammt und umgefahren haben soll. Da der Beklagte all dies abstritt, musste eine Beweisaufnahme mit zwei Augenzeugen sowie einem sachverständigen Gutachter durchgeführt werden.

In der Beweisaufnahme schilderte eine Zeugin, dass sie gesehen habe, wie das Beklagtenfahrzeug in das Parkhaus hineingefahren sei und dort, um wieder herauszukommen, ein paarmal nach vorne und zurückgefahren sei und letztlich ganz zurückgefahren und gegen das Terminal gefahren sei.

Die zweite Zeugin war die Beifahrerin des Beklagten. Sie bekundete, sie habe lediglich auf ihrer Beifahrerseite etwas gesehen, was die Fahrt behindert habe, ein Eimerchen oder ein Papierkorb sei dies gewesen.

Aus dem Sachverständigengutachten ergab sich, dass der Schaden an der rechten Frontecke sowie dem Kotflügel des Beklagten-Pkw nicht einwandfrei einer Kollision mit dem Einfahrtsterminal der Tiefgarage zuzuordnen sei.

Zweifelsfreie Feststellung möglich?

Die Geschädigte muss sämtliche Tatsachen für ihren Schadenersatzanspruch beweisen. Der Beweis muss so geführt werden, dass dem Gericht bei seinem Urteil keinerlei Zweifel bleiben. Dies war im vorliegenden Fall schwer: haben doch zwei Zeuginnen völlig widersprüchliche Aussagen gemacht, ferner hat auch ein Sachverständigengutachten keine eindeutigen Ergebnisse geliefert.

Im vorliegenden Fall hatte das Gericht aber auch die Polizeiakte zum Unfallgeschehen beigezogen. Durch geschicktes Befragen wurde die Beifahrerin des Schädigers zu einer Aussage verleitet, die selbst mit dessen eigener Aussage bei der Polizei nicht im Einklang stand. So konnte das Gericht am Ende die Beklagtenseite verurteilen mit der Begründung, dass sie dessen Beifahrerin nicht glaube.

Dieser Fall zeigt deutlich: Zu guten anwaltlichen Fähigkeiten gehört nicht nur eine umfassende und gute Rechtskenntnis, sondern eben auch das Geschick, lügende Zeugen durch geschicktes Befragen zu entlarven. Die Mandantschaft im vorliegenden Fall war jedenfalls heilfroh, nicht auf dem fremdverschuldeten Schaden sitzen bleiben zu müssen.

Hilfe bei Verkehrsunfällen?

In verkehrsunfallrechtlichen Angelegenheiten stehen Ihnen bei den Advobaten Frau Rechtsanwältin Nina Hornemann in Bad Homburg und Frau Rechtsanwältin Jozefina Delic in Bad Vilbel bei den Advobaten gerne zur Verfügung. Gerade bei Verkehrsunfällen ist die Hinzuziehung anwaltlicher Unterstützung unbedingt anzuempfehlen. Denn hierbei gilt es nicht nur, etwaige lügende Gegner und Zeugen zu entlarven, sondern auch unrechtmäßigen Schadenersatzkürzungen der gegnerischen Kfz-Haftpflichtversicherung entgegenzuwirken – besonders Letzteres ist ohne Kenntnis der sehr umfangreichen Rechtsprechung hierzu kaum möglich.

Amtsgericht Erfurt, Urteil vom 14.12.2017  – Az. 2 C 2026/15

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.