Wie gründe ich ein Unternehmen?

Immer mehr junge Menschen, insbesondere (angehende) Akademiker mit wirtschaftlichem oder juristischem Hintergrund,streben nach einer Karriere als Unternehmer. Auch die Medien haben sich bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt; derzeit ist die Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“, in der ambitionierte Menschen ihre Geschäftsideen ausgewählten Investoren vorstellen können, in aller Munde. – Doch wie lässt sich eine solche Geschäftsidee rechtlich verwirklichen?

Meistgewählte Rechtsformen

Der deutsche Markt, gerade im Bereich des Mittelstands, ist sehr stark von der GmbH und der UG (haftungsbeschränkt) beherrscht. Der folgende Rechtstipp stellt diese beiden Rechtsformen gegenüber, erklärt, was Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften unterscheidet und verschafft einen Überblick über Vor- und Nachteile der Gründung einer GmbH bzw. einer UG (haftungsbeschränkt). Außerdem wird aufgezeigt, wie eine solche Gesellschaft begründet und vertraglich ausgestaltet werden muss.

Kapital- und Personengesellschaften

Eine zentrale Frage im Zuge der Existenzgründung ist die, ob man als Kapital- oder Personengesellschaft am Markt aktiv werden möchte.

Eine Kapitalgesellschaft ist im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass bei ihr die Kapitalbeteiligung von einer unbegrenzten Anzahl an Gesellschaftern im Vordergrund steht. Eine Personengesellschaft ist hingegen meist von einer „überschaubaren“ Anzahl an Gesellschaftern geprägt, die sich aufgrund ihrer unternehmerischen Tätigkeit zusammengeschlossen haben.

Der wohl wichtigste Unterschied liegt darin, dass die Gesellschafter einer Personengesellschaft grundsätzlich persönlich und unbeschränkt haften, während bei einer Kapitalgesellschaft nicht die Gesellschafter, sondern die juristische Person unbeschränkt mit ihrem Gesamtvermögen haftet. Dagegen haften die hinter der juristischen Person stehenden natürlichen Personen (also die Gesellschafter) nur bis zur Höhe ihrer vertraglich oder satzungsmäßig festgelegten Eigenkapitaleinlage. Haben die Gesellschafter / Eigenkapitalgeber ihre Einlage an die Kapitalgesellschaft geleistet, sind sie von einer weitergehenden Haftung für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft befreit.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Geschäftsführungskompetenz. Bei Personengesellschaften führen die Gesellschafter (im Falle einer OHG) bzw. die Komplementäre (im Falle einer KG) die Geschäfte, während bei Kapitalgesellschaften, beispielsweise im Falle einer GmbH, auch ein sog. „Fremdgeschäftsführer“ bestellt werden kann. Dieser kann mit der GmbH, die als juristische Person auftritt, einen entsprechenden Arbeitsvertrag abschließen und fernab der gesellschaftlichen Aktivitäten Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit (§ 19 EStG) erzielen.

Im Hinblick auf die Gründung einer Personengesellschaft werden mindestens zwei Gesellschafter benötigt; eine GmbH oder eine AG kann jeweils auch schon von einer Person errichtet werden (vgl. § 2 AktG, § 1 GmbHG).

Abschließend sollte erwähnt sein, dass bei einem Beratungsgespräch mit einem Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht auch steuerliche Aspekte evaluiert werden sollten, da die Besteuerung sowohl auf Gesellschafts- als auch auf Gesellschafterebene entsprechend „geplant“ werden kann.

Die GmbH und die UG (haftungsbeschränkt)

Rechtlich betrachtet sind beide Gesellschaftsformen eigenständig und unabhängig voneinander zu betrachten. Nichtsdestotrotz wird die UG (haftungsbeschränkt) oft als „kleine Schwester“ der GmbH bezeichnet, da sie einerseits eine Unterform der GmbH darstellt und andererseits im GmbH-Gesetz (§ 5a) geregelt ist.

Die GmbH zeichnet sich dadurch aus, dass sie als juristische Person auftritt und gegenüber Dritten persönlich haftet. Die Gesellschafter haften nur bis zur Höhe ihrer Einlage. Jedoch kann eine Ausnahme davon kann in Betracht kommen, wenn der Gesellschaftsvertrag eine Nachschusspflicht vorsieht. Aus Gründen des Gläubigerschutzes müssen die Gesellschafter ein Stammkapital von mindestens 25.000 € einbringen.

Geschäftsführer und Gesellschafterversammlung sind die Organe der GmbH. Die Leitungsbefugnis liegt stets bei der Geschäftsführung, die Kontrollkompetenz obliegt der Gesellschafterversammlung, welche den Geschäftsführer in gewissen Fällen „problemlos“ von seinem Amt entfernen kann. Die Aufnahme neuer Gesellschafter bzw. das Ausscheiden von bestehenden Gesellschaftern aus der GmbH lässt sich relativ einfach bewerkstelligen, weil die GmbH als Kapitalgesellschaft von einzelnen Gesellschaftern unabhängig ist.

Da die UG (haftungsbeschränkt) eine „Mini-GmbH“ ist, muss deren Mindeststammkapital nach § 5a GmbHG lediglich 1 € betragen, was für Existenzgründer einen großen Anreiz darstellt. Von ihrer großen Schwester, der GmbH, unterscheidet sie sich also hauptsächlich dadurch, dass hierbei eine stark erleichterte Existenzgründung erfolgen kann. Ein Nachteil der „Mini-GmbH“ liegt ganz klar in ihrer stark beschränkten Finanzierungsmöglichkeit. Banken oder private Investoren scheuen nämlich meist das hohe Ausfallrisiko bei einem Kreditnehmer, dessen Eigenkapital und damit auch das Verlustauffangpotential faktisch gleich 0 ist.

Im Laufe der Geschäftstätigkeit fordert das Gesetz allerdings, dass die UG (haftungsbeschränkt) eine gesetzliche Rücklage zu bilden hat, die sich auf ein Viertel des laufenden Jahresgewinns (§ 5a Abs. 2 GmbHG) beläuft, damit die Eigenkapitalausstattung schrittweise an die GmbH angeglichen werden kann. Ist diese Angleichung erfolgt, darf das Wort „(haftungsbeschränkt)“ dem Firmennamen entzogen werden.

Die Gründung einer GmbH / UG (haftungsbeschränkt)

Die Gründung einer GmbH / UG (haftungsbeschränkt) erfolgt in 5 Phasen. Zunächst ist ein entsprechender Gesellschaftsvertrag mit allen Bestimmungen aufzusetzen, von allen Gesellschaftern zu unterzeichnen und notariell beglaubigen zu lassen. Ist dies erfolgt, sind die Organe der errichteten juristischen Person festzulegen, welche sich aus der Gesellschafterversammlung und dem Geschäftsführer zusammensetzen. Die Gesellschafterversammlung besteht aus den Gesellschaftern selbst und hat den Geschäftsführer im Nachgang zu bestimmen, welchem die Geschäftsführungskompetenz obliegt und berechtigt wird, die GmbH / UG (haftungsbeschränkt) nach außen hin zu vertreten. Ist dies geschehen, muss das Stammkapital aufgebracht werden. Im Falle der Errichtung einer GmbH, bei der mindestens 25.000 EUR zu erbringen sind, ist zu Beginn die Hälfte einzuzahlen, begründet man eine UG (haftungsbeschränkt), so ist das gesamte Stammkapital direkt aufzubringen.

Sind diese Schritte abgeschlossen, so hat der bestellte Geschäftsführer die Gesellschaft bei dem zuständigen Handelsregister zur Eintragung anzumelden und die hierbei erforderlichen Dokumente zu übersenden (vgl. §§ 7, 8 GmbHG).

Im letzten Schritt prüft schließlich das Registergericht die Anmeldung und trägt die GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) in das Handelsregister ein. Erst mit dieser Eintragung entsteht die GmbH oder UG (haftungsbeschränkt).

Wesentliche Aspekte des Gesellschaftsvertrags

Der Gesellschaftsvertrag der GmbH / UG (haftungsbeschränkt) besteht aus zwei Teilen: Die simple Einigung, die entsprechende Gesellschaft zu begründen und die sog. „normative Grundordnung“ der Gesellschaft, welche meist als „Satzung“ bezeichnet wird.

Relevant ist diesbezüglich § 3 GmbHG, der grob vorschreibt, was der Gesellschaftsvertag mindestens enthalten soll: Die Firma (den „Namen“) und den Sitz der Gesellschaft, den Gegenstand des Unternehmens, den Betrag des Stammkapitals und die Zahl der Nennbeträge der Geschäftsanteile, die jeder Gesellschafter gegen Einlage auf das Stammkapital übernimmt.

Die Gestaltung eines solchen Gesellschaftsvertrages birgt zudem zahlreiche rechtliche und wirtschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten, bei denen die Kenntnisse eines fachkundigen Beraters meist unabdingbar sind.

 

In gesellschaftsrechtlichen Fragen berät Sie gerne Rechtsanwältin und Notarin Martina Kunze.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.