Arbeiten im Ausland – die steuerrechtlichen Folgen

Der steigenden Mobilität der Menschen und der weiter fortschreitenden Globalisierung unserer Wirtschaft ist geschuldet, dass immer mehr Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern, die oftmals international tätig sind, ins Ausland entsendet werden.

 

Entsendung ins Ausland

Eine derartige Entsendung liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland auf Weisung seines inländischen Arbeitgebers im Ausland eine Beschäftigung für diesen ausübt. Auch wenn der Arbeitnehmer im Inland eigens für eine Arbeit im Ausland eingestellt wird, ist eine solche Entsendung gegeben. Wenn der Arbeitnehmer jedoch bereits im Ausland seinen Wohnsitz hat, bzw. dort beschäftigt ist und von dort aus eine Beschäftigung für einen inländischen Arbeitgeber aufnimmt, liegt kein Fall einer Entsendung vor. Darüber hinaus muss eine Entsendung in das Ausland im Vorfeld zeitlich begrenzt werden. Diese zeitliche Begrenzung kann sich aus der Eigenart der Beschäftigung (z.B. im Rahmen eines speziellen Projekts) oder aus einer vertraglichen Vereinbarung ergeben. Für den Umfang der Beschäftigung gilt keine bestimmte Zeitgrenze.

Bezüglich der steuerlichen Aspekte stellen sich im Fall einer Entsendung folgende Fragen:

  • Inwieweit wird die Steuerpflicht insbesondere im Hinblick auf die Lohnsteuer beeinflusst?
  • Wenn der Arbeitslohn im Inland steuerpflichtig ist, wie wird die im Ausland erhobene Steuer bei der deutschen Einkommensteuer berücksichtigt?
  • Ist die Sozialversicherungspflicht auch beeinflusst?

 

Unterschiede der Besteuerung in anderen Staaten

Hierbei ist zu berücksichtigen, welche Staaten überhaupt ein Besteuerungsrecht haben. Grundsätzlich unterliegt jeder, der einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat, unbeschränkt der deutschen Einkommensteuer, die sich auf sein sog. „Welteinkommen“ bezieht.

Weiterhin hat nun aber meistens der Staat, in dem die Arbeit tatsächlich verrichtet wird, ebenfalls ein Besteuerungsrecht, was dazu führt, dass der Steuerpflichtige einer eventuellen Doppelbesteuerung ausgesetzt sein könnte. Das gilt es jedoch zu vermeiden. Um diese Gefahr zu vermeiden, gibt es im deutschen Einkommensteuerrecht einige Möglichkeiten. Der zentrale Punkt hierbei dreht sich um Frage, ob im relevanten Fall mit dem anderen Staat ein entsprechendes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) vorliegt oder nicht.

 

Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)

Als DBA wird ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen mindestens zwei Staaten bezeichnet. Damit soll verhindert werden, dass juristische und natürliche Personen, die in beiden Staaten Einkommen erzielen, doppelt besteuert werden. In einem DBA ist geregelt, in welchem Umfang jedem der beiden Staaten das Recht der Besteuerung für die in dem jeweiligen Land erzielten Einkünfte zusteht. Ein solches DBA hat Deutschland mit mehr als der Hälfte aller Staaten weltweit.

Grundsätzlich gilt, dass das Besteuerungsrecht für den Arbeitslohn bei dem Staat liegt, in dem die Arbeit verrichtet wird.

Dabei muss aber im Blick behalten werden, dass diese Einkünfte einem sog. Progressionsvorbehalt unterliegen. Dieser besagt, dass die „freigestellten“ Einkünfte in Deutschland zwar nicht versteuert werden, jedoch bei der Festlegung des Steuersatzes für die übrigen in Deutschland zu versteuernden Einkünfte berücksichtigt werden. Dies geschieht, um zu gewährleisten, dass Arbeitnehmer, die ihre Tätigkeit nur im Inland verrichten, wie Arbeitnehmer behandelt werden, die auch im Ausland arbeiten.

 

Ausnahmen

Es gibt allerdings drei Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, dass das Besteuerungsrecht ausnahmsweise ausschließlich in Deutschland bleibt:

  1. Der Arbeitnehmer hat sich insgesamt nicht länger als 183 Tage im Tätigkeitsstaat aufgehalten.
  2. Der Arbeitgeber, der die Vergütung zahlt, ist nicht im Tätigkeitsstaat ansässig.
  3. Der Arbeitslohn wurde nicht von der Betriebsstätte, die der Arbeitgeber im Ausland betreibt, getragen.

Liegt kein solches DBA vor, gibt es im deutschen Einkommenssteuerrecht vier Arten des einseitigen Steuerverzichts geregelt, welche hier allerdings nicht weiter vertieft werden, da ohnehin zwischen nahezu allen großen Wirtschaftsnationen und Partnern der Bundesrepublik ein solches Abkommen besteht.

 

Die Grenzgängerregel

Abschließend ist zu erwähnen, dass die erwähnte „183-Tage-Regel“ von der sog. „Grenzgängerregel“ ausgehebelt werden kann. Ein Arbeitnehmer, der im Grenzgebiet eines Staates wohnt, aber im Grenzgebiet des angrenzenden Staates tätig ist und sich regelmäßig morgens über die Grenze zur Arbeitsstätte begibt und abends wieder zum Wohnsitz zurückkehrt, ist ein Grenzgänger. Greift diese Regelung, so verbleibt das Besteuerungsrecht auch dann im Wohnsitzstaat, wenn die Arbeit im ausländischen Tätigkeitsstaat nicht nur vorübergehend, sondern länger als 183 Tage ausgeübt wird. Grenzgängerregelungen sind z.B. mit der Schweiz, Frankreich und Österreich vereinbart.

In steuerrechtlichen Anliegen berät Sie gerne Rechtsanwalt Paulo Coelho.

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