Neue Regelungen für die Versicherungspflicht von Studentenjobs

Viele Studenten üben während des Studiums ein bezahlte Tätigkeit aus, wobei die Versicherungsfreiheit zum Beispiel im Rahmen des Werkstudentenprivilegs vorliegen kann. Viele Sozialversicherungsträger haben ihre Regelungen dazu nun angepasst.

Werkstudenten sind von der Kranken-, Pflege-und Arbeitslosenversicherung befreit. Von Rentenversicherungsleistungen sind lediglich Minijobs versicherungsbefreit. Die Voraussetzung dieser Versicherungsfreiheit ist, dass die Zeit und Arbeitskraft des Studenten – trotz des Werkstudentenjobs – hauptsächlich durch das Studium beansprucht wird.

student-849825_1920Die Voraussetzung der Werkstudententätigkeit, dass Zeit und Arbeitskraft durch das Studium überwiegend in Anspruch genommen wird liegt vor, wenn die Beschäftigung an nicht mehr als 20 Stunden in der Woche ausgeübt wird. Keine Rolle spielt dabei die Höhe des Arbeitsentgelts. Ein Werkstudentenjob kann unbefristet und damit während des gesamten Studiums ausgeübt werden.

Bisher galt die Ausnahme, wonach die Versicherungsfreiheit auch bei einer Überschreitung der wöchentlichen Arbeitszeit von 20 Stunden gegeben war, sofern die Beschäftigung am Wochenende, sowie in den Abend- und Nachtstunden ausgeübt wurde. Diese Bewertung trifft aber wegen der neuen Rechtsauslegung der Spitzenorganisationen der Sozialversicherungsträger nicht mehr grundsätzlich zu. Seit der neuen Auslegung, die durch ein Rundschreiben vom 23.11.2016 ist sie nun für jeden Einzelfall zu prüfen, ob die Zeit und die Arbeitskraft des Studenten tatsächlich noch überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen wird.

Übt ein Student also mehr als 20 Stunden pro Woche ohne zeitliche Befristung die Tätigkeit aus, kann das Werkstudentenprivileg nicht mehr angewandt werden und die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten tritt in den Vordergrund. Für den Student bedeutet das: Versicherungspflicht für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Wenn ein Student also jetzt beginnt, eine unbefristete Beschäftigung als Werkstudent aufzunehmen und arbeitet 20 Stunden von Montag bis Freitag und zusätzlich einige Stunden am Wochenende, überschreitet er durch die Wochenend-Stunden die 20 Wochenstundengrenze. Weil die Beschäftigung unbefristet ausgeübt wird, besteht für ihn ab der Aufnahme seiner Tätigkeit Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Wird der Studentenjob als kurzfristige Beschäftigung bewertet, besteht Sozialversicherungsfreiheit in allen Versicherungszweigen. Die Zeitgrenze für eine kurzfristige Beschäftigung liegt bei drei Monaten beziehungsweise 70 Arbeitstagen. Bei Überschreitung dieser Grenze kann bei einer befristeten Beschäftigung noch Versicherungsfreiheit im Rahmen des Werkstudentenprivilegs bestehen. Dies gilt jedoch nur, wenn die 20 Wochenstunden Grenze von dem Student am Wochenende, in den Abend-und Nachtstunden oder in den Semesterferien überschritten wird. Hinzu kommt, dass die Beschäftigung gemeinsam mit zuvor ausgeübten Beschäftigungen die Grenze von 26 Wochen beziehungsweise 182 Kalendertagen innerhalb eines Jahres nicht überschreiten darf.

Eine Überschreitung der 20 Wochenstunden Grenze ist ausschließlich während der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) möglich, ohne dass sich das auf die Versicherungsfreiheit auswirkt.

Für Studentenjobs, die bereits vor 2017 aufgenommen wurden, bleibt es für die Dauer der Beschäftigung bei der bisherigen Versicherungspflicht bei der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

 

In arbeitsrechtlichen Fragen berät Sie gerne Rechtsanwältin Ute Tünnermann-Kasch.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.