Rechtliche Problematik beim „Social Freezing“

Was ist Social Freezing?

Das heute als „Social Freezing“ bezeichnete Verfahren wurde ursprünglich für junge Krebspatientinnen entwickelt, die später eine Familie gründen wollen. Vor dem Start ihrer Therapie wurden ihnen Eizellen entnommen, die eingefroren wurden. Heute ist das Einfrieren unbefruchteter Eizellen kein Eingriff aus rein medizinischen Gründen; häufig spielen für Frauen, die „Social Freezing“ in Anspruch nehmen Karrierepläne oder unglückliche Partnerschaften eine große Rolle.

Wie funktioniert Social Freezing?

microscope-1276131_1280Das „Social Freezings“ gleicht anfangs der Vorgehensweise einer künstlichen Befruchtung. Die Frau bekommt einige Tage Hormone gespritzt, die die Eizellen heranreifen lassen. In einem kleinen Eingriff werden diese Eizellen der Frau dann entnommen und – wie der Name der Methode schon verrät – eingefrorern. Bei einer künstlichen Befruchtung fände direkt nach Entnahme der Eizellen die Zusammenführung und Befruchtung mit einem Spermium statt. Der Vorteil des „Social Freezing“ besteht daher primär in der Tatsache, dass die Eizellen auf eine unbestimmte Dauer eingefroren bleiben können, bis die Frau schließlich für eine Schwangerschaft bereit ist.

 

Die rechtliche Problematik

Das Bonner Zivilgericht musste kürzlich über einen Fall entscheiden, durch den die Problematik des „Social Freezing“ deutlich wird.

Die in Deutschland lebende und arbeitende Amerikanerin Frau J. ließ sich im Alter von 38 sieben Eizellen entnehmen und einfrieren. Trotz einiger Partnerschaften hatte die Karrierefrau nie den Mann an ihrer Seite, dessen Erbgut ihr gut genug für die Zeugung von Kindern war. Jedoch stand für die inzwischen 42-jährige fest, dass sie Kinder bekommen möchte.

Im Alter von 38 beginnt Frau J. allmählich Panik zu bekommen und befürchtet, ihr Kinderwunsch bliebe unerfüllt. Daher bittet sie ehemalige Partner um eine Samenspende. Diese lehnten diese Anfrage allerdings ab. Schließlich lernte sie den Manager K. kennen, der ihren Ansprüchen gerecht wurde. Der Haken an Herrn K. war aber, dass er bereits eine Familie mit Kindern hatte und in Frau J. nur eine Affäre sah. Auch wenn aufgrund dessen eine dauerhafte Partnerschaft ausgeschlossen war, wollte Frau J. ein Kind von Herrn K. und dessen Samenzellen zur Befruchtung ihrer Eizellen nutzen. Nach langem Überlegen, willigt der Manager schließlich ein.

Weil die beiden nicht verheiratet sind, fordert die Fortpflanzungspraxis einen speziellen Vertrag, der eine notariell vereinbarte Einigung der künstlichen Übertragung seiner Spermien. Der Vertrag beinhaltet auch die Klausel, dass die Einwilligung von beiden Seiten bis zum Zeitpunkt des Einsetzens der durch ein Spermium erfolgreich befruchteten Eizelle in die Gebährmutter von Frau J.

Im Reagenzglas werden sieben der eingefrorenen Eizellen mit Spermien zusammengeführt, von denen zwei erneut als Reserve eingefroren werden. Die übrigen fünf befruchteten Eizellen werden Frau J eingepflanzt – allerdings ohne Erfolg. Die Reaktionen darüber erfolgen auf beiden Seiten unterschiedlich: Während Frau J. entsetzt und traurig über die erfolglose Einpflanzung ist, ist Herr K. erleichtert. Er hat es sich nun doch anders überlegt und möchte nicht erneut Vater werden. Daher schickt er der Kinderwunschklinik den Widerruf seiner Einwilligung zur Vaterschaft. Als Frau J. einige Zeit später davon erfährt, ist sie wütend und behauptet, dass ihr ausgerechnet dieser Abschnitt des Vertrages bei der notariellen Einigung nicht übersetzt wurde.

Frau J. gibt aber nicht auf. Schließlich gibt es noch zwei eingefrorene und mit Spermium befruchtete Eizellen, die ihr theoretisch eingepflanzt werden könnten. Die große Frage ist jedoch, ob sie diese trotz Widerruf durch Herrn K. eingepflanzt bekommen darf.
Die eingefrorenen Eizellen befinden sich in einem Zwischenstadium, indem Ei- und Samenzelle zwar zusammengeführt wurden aber noch keine Verschmelzung des Erbguts stattfand.

Nach deutschem Recht kann die Frau allein über Embryonen entscheiden; vorliegend ist dieses Stadium aber noch nicht erreicht. Es geht hier also allein darum, wer die Verfügungsgewalt über die Eizellen im Vorkernstadium hat.

Der Anwalt von Frau J. meint, dass Herr K. jegliches Mitspracherecht bereits mit Zusammenführen von Samen- und Eizelle verloren hat, weil dieser Vorgang mit einer Befruchtung gleichzusetzen sei. Auf der Gegenseite wird besonders das Argument der Widerrufserklärung des Vertrages hervorgebracht. Im Falle des tatsächlichen Einpflanzens der befruchteten Eizelle, verfehle das Recht zum Widerruf seinen Zweck.
Das Gericht räumt ein, dass es Frau J. zwar menschlich verstehen könne, juristisch aber kaum eine Chance für sie besteht, durch die Samenzellen des K noch schwanger zu werden. Bei den verbliebenen eingefrorenen Eizellen sei die Befruchtung noch nicht abgeschlossen. Herr K. habe daher das Recht, die weitere Verwendung zu untersagen. Eine endgültige Entscheidung gibt es allerdings bis heute noch nicht.
Bei familienrechtlichen Fragen berät Sie gerne Advobatin und Rechtsanwältin Claudia Knöppel.

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