Digitaler Nachlass – Wichtige Hinweise für Angehörige

E-Mails, soziale Netzwerke wie Facebook, oder Accounts bei Onlineshops… Immer mehr Menschen organisieren ihr Leben via Internet – doch was sollte man dabei bedenken, wenn es um den digitalen Nachlass geht?

Kommt es zum Tod einer Person, die das Internet aktiv nutzte muss man sich als Angehöriger neben Fragen wie „Wer bekommt das Auto? Wer das Haus? Wer kümmert sich um die Haustiere?“ auch um den sogenannten digitalen Nachlass des Verstorbenen kümmern. Zwar werden glücklicherweise die wichtigsten Fragen meist vor dem Tod geregelt – wenn es aber um den digitalen Nachlass geht, herrscht Nachlässigkeit. Kaum jemand beschäftigt sich mit der Frage, was mit diversen Online-Konten im Todesfall passiert. Hier erfahren Sie, was Sie als Hinterbliebene/r dazu wissen sollten:

 

Wo war der Verstorbene überall angemeldet?

social-media-1430531_1920Zunächst sollten Sie versuchen zu klären, wo der Verstorbene überall angemeldet war. Häufig zählen dazu Portale wie Facebook, Ebay, Online E-Mail Programme, Amazon, Twitter oder Dating-Portale. Die meisten haben eine Vielzahl von Online-Accounts. Wenn der Verstorbene selbst keine eigene Liste hinterlegt hat, kann es für Sie durchaus schwierig werden, tatsächlich alle Konten zu finden. Gibt es Vermutungen über Konten bei einzelnen Anbietern, etwa im Bereich Social Media, können Hinterbliebene dort nach dem Namen des Verstorbenen suchen lassen.
Unter Umständen können Hinterbliebene in Verträgen und auf Rechnungen Hinweise auf Online-Konten, etwa bei Internet-Versandhändlern wie Amazon finden. Besonders hilfreich ist der Zugriff auf das E-Mail-Konto. Hier können sich Spuren zu anderen Online-Accounts finden, etwa in Form von Bestätigungsmails zur Anmeldung. Außerdem lassen sich oftmals unbekannte Passwörter einfach über die E-Mail-Adresse zurücksetzen. Ein Blick in denBrowser-Verlauf kann sicherlich auch nicht schaden – dort finden sich vielleicht noch weitere Spuren.

 

Wie bekommen Angehörige Zugriff auf E-Mail-Konten?

Eine Erleichterung für Angehörige ist es, wenn der Verstorbene die E-Mails mittels eines Programmes wie Thunderbird oder Outlook direkt auf dem Rechner bearbeitet hat. Wurde immer die Webseite des Mail-Anbieters genutzt, wird es schwieriger, wenn die Zugangsdaten nicht im Browser gespeichert wurden. Bei www.web.de und www.gmx.de zum Beispiel benötigen Angehörige für den Zugriff dann einen Erbschein. Der Antrag muss handschriftlich unterschrieben gestellt werden. Die Erben können den Account weiterführen, Mails abrufen oder den Account löschen lassen. Zur Kündigung eines kostenpflichtigen Kontos genügt die Vorlage der Sterbeurkunde.

 

Was passiert mit nicht entdeckten Online-Konten?

Kostenpflichtige Accounts entdecken Angehörige spätestens mit der ersten Mahnung und können sie daraufhin kündigen. Was ist aber zum Beispiel mit unentdeckten Freemail-Accounts? Bei GMX oder Web.de wird ein Konto nach sechs Monaten ohne Nutzung inaktiv gestellt. Danach kann die Adresse ein halbes Jahr reaktiviert werden, bis sie freigegeben wird. Daraufhin werden die Daten auf dem Account unwiderruflich gelöscht.
Google bietet Nutzern einen sogenannten Inaktivitätsmanager. Diesen müssen sie allerdings vor dem Tod einrichten. Wenn der Nutzer für einen bestimmten Zeitraum inaktiv war, kontaktiert Google eine oder mehrere vorher festgelegte Vertrauenspersonen. Diese können – je nachdem, wie viel Zugriff der Nutzer gewährt hat – auf Daten zugreifen.

 

Wie können Hinterbliebene ein Facebook-Konto stilllegen?

Es ist nicht ratsam, Facebook einen Todesfall direkt mitzuteilen. Denn dann sperrt Facebook sofort das Konto und Hinterbliebene haben keinen Zugriff mehr darauf. Sind Login und Passwort bekannt, sind dagegen noch „Aufräumarbeiten“ möglich, sodass persönliche Dokumente oder Bilder entfernt werden können. Für Facebook genügt ein Scan der Sterbeurkunde als Nachweis, um das Konto löschen oder in einen Gedenkzustand zu setzen. Alternative Nachweise sind etwa ein Testament oder ein Nachlassbrief, in Kombination mit einer Todesanzeige oder Trauerkarte.

 

Bei Fragen im Gebiet des Erbrechts steht Ihnen gerne Rechtsanwältin und Notarin Martina Kunze zur Seite.

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