Scheidung und Altersvorsorge: Wenn zwei sich scheiden, rechnen Dritte

Wie werden erworbene Versorgungsansprüche aufgeteilt und was gilt dabei für Renten?

Zu Beginn einer Ehe scheint alles perfekt. Wer heiratet, denkt nicht daran, dass das Glück möglicherweise nicht ewig anhält. Irgendwann holt einen der Alltag ein und Kleinigkeiten können zu Streits führen – sei es wegen einer offenen Zahnpastatube, achtlos liegengelassenen Socken oder der Art und Weise, wie die Spülmaschine korrekt einzuräumen ist.

Über die Jahre entwickelt sich bei einigen die Erkenntnis, dass der Mensch an der Seite vielleicht doch nicht derjenige ist, mit dem man sein restliches Leben verbringen möchte. Auch wenn in den vergangenen zehn Jahren laut dem Statistischen Bundesamt die Gesamtzahl der Scheidungen gesunken ist, landet immernoch jede dritte Ehe vor dem Scheidungsrichter.

Dann wird um Bilder, Silberbesteck oder Bettwäsche gestritten. Viel bedeutender noch – um das Sorgerecht für die Kinder und deren Unterhalt. Neben dem Hausrat müssen auch Rentenansprüche, die während der Ehe erworben wurden aufgeteilt werden. Gerade die Aufteilung der Rentenansprüche, der Versorgungsausgleich, ist kein unkompliziertes Unterfangen. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um Betriebsrenten handelt. Dabei geht es mitunter um sehr viel Geld.

 

Besonderheit bei Scheidungen zwischen 1977 und 2009

family-law-329569_1920Für alle, die sich zwischen dem 1. Juli 1977 und dem 31. August 2009 geschieden haben, gilt folgende Besonderheit: Sie können den Versorgungsausgleich von einst nach neuem Recht berechnen lassen. In der Regel lohnt sich eine solche Neuberechnung; besonders dann, wenn einer der früheren Partner eine Betriebsrente oder eine Rente aus einer berufsständischen Versorgungskasse erhält oder zwischenzeitlich verstorben ist. Über eine Neuberechnung können sich Betroffene vom früheren Partner mehr Geld holen oder die Kürzungen der eigenen Versorgungsbezüge verringern. Aber auch für alle, die erst nach 2009 geschieden wurden lohnt es sich, besondere Vereinbarungen beim Versorgungsausgleich zu treffen.

 

Hin und Her Ausgleich seit 2009

Seit knapp 40 Jahren gibt es den Versorgungsausgleich schon. In erster Linie zum Zweck, den Partner, der sich im Laufe der Ehe um Haushalt und Kinder kümmerte und somit keine Rentenansprüche erwarb, an den Ansprüchen des arbeitenden Partners zu beteiligen. Bis 2009 ermittelten die Scheidungsrichter bei der Trennung für jeden Ehepartner gesondert die Versorgungsanwartschaften, die er oder sie während der Ehe erworben hatte. Hatte einer der Partner in dieser Zeit höhere Rentenansprüche erwirtschaftet, musste er dem anderen Partner die Hälfte des Wertunterschieds abgeben. Und ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Einige Anwartschaften, wie beispielsweise Betriebsrenten, die im Alter keine Rentensteigerung vorsahen, rechneten die Familiengerichte mit Hilfe der sogenannten Barwert-Verordnung in eine fiktive volldynamische Rente um und glichen den Saldo über die gesetzliche Rentenversicherung damit aus. Der Ausgleichsberechtigte erhielt also Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Ein Blick in die Scheidungsunterlagen lohnt sich

In einigen Fällen wurde sogar ein sogenannter „schuldrechtlicher Versorgungsausgleich“ vereinbart. Dies ist in den Scheidungspapieren entsprechend vermerkt. In diesen Fällen muss der Ausgleichsberechtigte zu Rentenbeginn einen Antrag stellen, um überhaupt an der Betriebsrente beteiligt zu werden. Wer dies versäumt, geht leer aus. In der Praxis kommt das allerdings recht häufig vor. Bis zum Rentenbeginn haben insbesondere viele Frauen vergessen, dass sie noch Ansprüche gegenüber dem Ex-Partner geltend machen können. Daher lohnt sich ein Blick in die Scheidungsunterlagen.

 

Rechtsanwältin Claudia Knöppel aus dem Kompetenzhaus berät Sie gerne bei familien- und scheidungsrechtlichen Fragen!

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