Reisemängel richtig reklamieren und Schadensersatz verlangen

water-165219_1280Endlich steht der lang ersehnte und womöglich mühsam ersparte Urlaub vor der Tür – umso ärgerlicher, wenn dann nicht alles rund läuft. Sei es der fehlende versprochene Meerblick, offensichtlich gefälschte Bilder auf der Website Ihres Hotels, oder Probleme bezüglich Ihres Gepäcks. Es kann viele Gründe dafür geben, dass eine Reise nicht so verläuft, wie ursprünglich geplant. Falls Sie betroffen sind, können Sie eine Preisminderung verlangen. Allerdings genügt dabei keine einfache Beschwerde, da eine solche von Reiseveranstaltern häufig zurückgewiesen wird. Außerdem passiert es häufig, dass enttäuschte Urlauber unwissentlich Fristen versäumen, Formfehler machen oder zu hohe Forderungen stellen. All diese Gründe führen dazu, dass am Ende vor Gericht die Reiseunternehmen Recht bekommen und Sie auf Ihren Kosten sitzen bleiben.

Um überhaupt einen Reisemangel geltend zu machen, müsste zunächst eine Pauschal-reise gebucht worden sein. Damit ist ein Reiseangebot gemeint, welches mindestens zwei Leitungen umfasst, wie beispielsweise Flug und Hotel oder Flug und Mietwagen. Haben Sie keine Pauschalreise gebucht, sondern ein Ferienhaus gemietet, können Sie bei Leistungsmängeln allenfalls eine Mietminderung einfordern.

Mängel direkt vor Ort melden

Der erste und äußerst wichtige Schritt auf dem Weg zu einer Preisminderung ist, gefundene Mängel direkt vor Ort beim Reiseleiter zu melden. Dies rührt daher, dass dem entsprechend Verantwortlichen somit die Möglichkeit geschaffen wird, eventuelle Mängel innerhalb einer angemessenen Frist zu beseitigen. Sind Sie unsicher, wie Sie an Ihren Veranstalter herantreten sollen, wenden Sie sich an die Rezeption Ihres Hotels. Viele Veranstalter stellen Ihnen ein Formular speziell für Beschwerden. Dieses sollten Sie auf jeden Fall nutzen und ausfüllen, sodass Sie zu späterem Zeitpunkt gegebenenfalls einen schriftlichen Nachweis für Ihre Beschwerdebehausung vorlegen können. Sollte es kein solches Formular geben, erstellen Sie selbst eine Mängelanzeige. Muster dazu lassen sich leicht im Internet finden!
Wichtig ist, dass Sie sich in jedem Fall sollten Sie sich vom Reiseleiter bestätigen lassen, dass Sie sich beschwert haben.

Beweise sammeln

Die Mängel, die Sie stören, müssen Sie nachweisen können. Dazu ist es hilfreich, eine Liste anzufertigen oder falls möglich die fraglichen Objekte oder Zustände fotografisch festzuhalten. Der Vorteil bei Fotos ist, dass das Datum und gegebenenfalls bei Handybildern sogar Ihr derzeitiger Aufenthaltsort angezeigt werden kann.
Handelt es sich bei Ihrem Mangel um Lärm, erstellen Sie ein Lärmprotokoll, indem Sie eine möglichst ausführliche Liste erstellen, zu welchem Datum, um welche Uhrzeit welche Art von Lärm zu vernehmen war. Weiterhin empfiehlt es sich, per handy oder Videokamera die Lärmquellen aufzunehmen. Je detaillierter Ihr Lärmprotokoll am Ende ist, desto nachvollziehbarer ist Ihre Beschwerde und somit steigt Ihre Chance auf einen angemessenen Schadensersatz.
Egal um welche Art von Mangel es sich handelt, ist wichtig, dass Sie sich Ihre Aufzeichnungen vom Reiseleiter (bestenfalls mit Ort und Datum) unterzeichnen lassen, sodass Sie bestätigen können, dass dieser Ihre Beschwerde erhalten hat.

Direkt nach dem Urlaub Ansprüche stellen

Wenn die Mängel nach Ihrer Anzeige während des Urlaubs nicht beseitigt wurden, sollten Sie nach Ihrer Rückkehr innerhalb eines Monats Ihre Ansprüche beim Reiseveranstalter geltend machen (§ 651g I BGB). Dies sollte schriftlich erfolgen, wobei eine E-Mail schon ausreicht. Dabei ist wichtig, dass Sie die Mängel detailliert auflisten und möglichst genau beschreiben. Darüberhinaus sollten Sie Ihren Anspruch klar definieren und beispielsweise, die von Ihnen geforderte Summe beziffern, die Sie vom Veranstalter ersetzt haben möchten. Als Orientierungshilfe zur Festlegung einer Entschädigungssumme können Sie die sogenannte „Frankfurter Tabelle“, die „Kemptener Tabelle“ oder die Mängelliste des ADAC nutzen.

Achtung: Wer sich lediglich beim Reiseleiter und nicht beim Veranstalter beschwert, kann keinen Anspruch auf Schadensersatz geltend machen!

Schadensminderungspflicht

Nach der sogenannten Schadenminderungspflicht ist der Urlauber verpflichtet, den Schaden möglichst gering zu halten. Wenn der Reiseveranstalter beispielsweise ein Hotel der gleichen Kategorie als Ersatzleistung anbietet und Sie als Urlauber dieses Angebot nicht annehmen, kann Ihnen das als Verstoß gegen Ihre Schadenminderungspflicht entgegengehalten werden. Weiterhin fällt unter diese Pflicht, dass bei unproblematischen und eindeutigen Reisemängeln von einem Anwalt absehen. Im schlimmsten Fall könnten Sie nämlich auf den Anwaltskosten sitzen bleiben. Daher empfiehlt sich, am besten selbst ein Schrieben mit den Forderungen an den Veranstalter zu schicken.

Fristen

Als Urlauber haben Sie im Regelfall zwei Jahre Zeit um Ihre Ansprüche gegen den Reiseveranstalter im Klageweg geltend zu machen. Fristbeginn ist spätestens der Tag, an dem der Reiseveranstalter die geltend gemachten Mängel zurückweist. Anderenfalls beginnt die Frist mit dem Ende Ihrer Reise. Sie müssen jedoch wissen, dass der Reiseveranstalter die Möglichkeit hat, die Verjährungsfrist von zwei Jahren auf ein Jahr zu verkürzen. In diesem Fall müssen Sie sich schneller entscheiden, ob Sie tatsächlich klagen wollen oder nicht. Ob Ihr Reiseveranstalter die Verjährungsfrist verkürzt hat, können Sie in dessen AGBs nachlesen.

 

Bei zivilrechtlichen Fragen, steht Ihnen Rechtsanwalt Matern gerne zur Seite.

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