Überdurchschnittlich und „… stets zu unserer vollen Zufriedenheit“

ArbeitszeugnisKlare Rechtslage

Im Zusammenhang mit bestehenden oder auch beendeten Arbeitsverhältnissen kommt es oft zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern über die Ausstellung eines schriftlichen Arbeitszeugnisses.

Dabei haben Arbeitnehmer und Auszubildende einen gesetzlichen Anspruch darauf: „Bei Beendigung eines dauernden Dienstverhältnisses kann der Verpflichtete von dem anderen Teil ein schriftliches Zeugnis über das Dienstverhältnis und dessen Dauer fordern. Das Zeugnis ist auf Verlangen auf die Leistungen und die Führung im Dienst zu erstrecken. …“

Bestimmte Betriebszugehörigkeit ist für Beurteilung notwendig

Auf Verlangen des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber ein sogenanntes qualifiziertes Zeugnis zu erstellen, das sich neben Angaben zu Art und Dauer der Beschäftigung auch auf die Bewertung des Arbeitnehmers erstreckt. Dieser Anspruch besteht allerdings dann nicht, wenn das Beschäftigungsverhältnis derart kurz war, dass der Arbeitgeber die Beurteilung überhaupt nicht abgeben konnte. Daher gehen die Arbeitsgerichte davon aus, dass eine qualifizierte Bewertung bei einer Betriebszugehörigkeit von sechs Monaten möglich ist. Das entspricht der üblicherweise vereinbarten Probezeit.

Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis?Zeugnis

Während der Arbeitgeber bei der Ausstellung des einfachen Arbeitszeugnisses die persönlichen Daten sowie Art und Dauer der Tätigkeit mitteilt, ist beim qualifizierten Arbeitszeugnis die Beurteilung der Leistungen erforderlich. Der Arbeitgeber hat sowohl das Leistungsvermögen, die Fachkenntnisse, die Arbeitsqualität und die Verantwortungsbereitschaft als auch das Sozialverhalten des Arbeitnehmers gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern zu beurteilen. Der Arbeitgeber hat alle wesentlichen Tatsachen darzustellen, die für die Beurteilung des Arbeitnehmers von Bedeutung und für den potenziellen künftigen Arbeitgeber von Interesse sind.

Textklarheit ohne „Verklausulierungen“

Der Arbeitgeber soll wahrheitsgemäß, aber auch wohlwollend bewerten. Er hat eine angemessene Formulierung zu wählen – die Wortwahl soll klar sein und weder versteckte negative noch zweideutige Ausdrücke enthalten. Das Arbeitszeugnis gibt etwa keine Auskunft über den Gesundheitszustand oder die Zugehörigkeit zum Betriebsrat. Hingegen kann auf Wunsch des Arbeitnehmers der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses in das Zeugnis aufgenommen werden.

Der KLEINE Unterschied zwischen „durchschnittlich“ und „gut“

Was passiert, wenn der Arbeitnehmer mit dem Arbeitszeugnis nicht zufrieden ist, eine Berichtigung verlangt? Nach aktueller Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf die Bewertung „befriedigend“. Im Arbeitszeugnis heißt es dann, die Tätigkeit wurde „zu unserer vollen Zufriedenheit“ ausgeführt. Will der Arbeitnehmer eine bessere Bewertung durchsetzen, muss er auf Berichtigung des Zeugnisses klagen. Im Klageantrag ist anzugeben, wie und welche Formulierungen geändert werden sollen. Die Tatsachen für eine bessere Bewertung hat der Arbeitnehmer darzulegen und zu beweisen.
Bestenfalls tauschen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zeitnah über die Ausfertigung des Arbeitszeugnisses aus. Möglich ist es auch, dass der Arbeitnehmer schriftlich um die Erstellung des Zeugnisses bittet.

Unsere Experten für Arbeitsrecht beraten

Für alle Fragen rund um das Arbeitszeugnis – etwa ob Geheimzeichen wie Smileys erlaubt sind oder wie das Zeugnis zu falten ist – stehen Ihnen unsere Experten für Arbeitsrecht Ute Tünnermann-Kasch und Andreas Funke gern mit Rat und Tat zur Seite.

(Für weitere Informationen dient das BAG-Urteil vom 18.11.2014, Az.: 9 AZR 584/13)


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