Wissenswertes im Erbrecht: Verfügungen von Todes wegen

ErbenUnsere Serie: Erbrecht

Wir wollen mit unserer Serie zum Erbrecht das Verständnis für dieses komplexe Rechtsgebiet schaffen. Gleichzeitig möchten wir auf aktuelle Tendenzen und Trends hinweisen, die sich oft aus den wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in unserer Gesellschaft ergeben. Eines der Themen wird sich mit der ab 17.08.2015 geltenden Europäischen Erbrechtsverordnung beschäftigen.

Verfügungen von Todes wegen

Die individuelle Festlegung der Erbfolge kann mithilfe des Testaments oder des Erbvertrags erfolgen, sog. gewillkürte Erbfolge. Die geltende Testierfreiheit ermöglicht es dem Erblasser, die Zahl der Erben zu bestimmen, einen gesetzlichen Erben zu enterben, einen Ersatzerben zu bestimmen oder auch über die Vor- und Nacherbschaft zu verfügen. Die Testierfreiheit hat dort ihre Grenzen, wo gesetzwidrig oder sittenwidrig verfügt wird oder bei einem vollständigem Entzug der Pflichtteilsansprüche.

Vermächtnis, Testamentsvollstreckung und Stiftung

Erblasser, die nur über einzelne Gegenstände verfügen möchten, können die Zuwendung in einem Vermächtnis regeln. Was die Verwaltung des Nachlasses angeht, so kann eine Testamentsvollstreckung angeordnet werden. Möglich und üblich ist auch die Einrichtung einer Stiftung im Rahmen der Nachlassverwaltung.

Sehr zu empfehlen:  das Testament

Mit dem Testament kann der Erblasser frei festlegen, wer das Vermögen im Todesfall erhalten soll. Als Erbe kann jede Person eingesetzt werden; auch Kinder, nicht noch nicht geboren sind.

Eigenhändiges Testament

Das eigenhändige Testament ist die einfachste Form der Errichtung und kann von jeder volljährigen Person erstellt werden. Das Testament kann geändert oder widerrufen werden.

Öffentliches Testament durch den Notar

Das öffentliche Testament wird notariell errichtet. Es kann von einem Dritten entworfen worden sein und muss nicht handschriftlich vorliegen, sondern z. B. mit dem Computer geschrieben werden. Das notarielle Testament wird immer amtlich verwahrt und nach dem Todesfall eröffnet. Der Erblasser kann den letzen Willen mündlich oder durch die Übergabe eines offenen oder geschlossenen Schriftstücks mitteilen.

Gemeinsames Testament für Ehepartner und eingetragene Lebensgemeinschaften

Ehepartner und Lebenspartner einer eingetragenen Lebensgemeinschaft können ein gemeinsames Testament errichten. Lebenspartner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft können einen Erbvertrag abschließen. Das sog. „Berliner Testament“ ist die geläufigste Form des gemeinschaftlichen Testaments. Dabei setzen sich die Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner gegenseitig als Erben des überlebenden Partners ein. Möglich ist auch die Einsetzung einer dritten Person, oft der Kinder.

Rechtsklarheit schafft notarielles Testament

Wer sichergehen möchte, dass im Falle seines Todes die Menschen erben, die dem Erblasser zu Lebzeiten am Herzen gelegen haben, der sollte ein Testament hinterlassen. Wenn kein Testament vorliegt, tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Durch die Testierfreiheit kann der Erblasser entscheiden, wer das Vermögen im Todesfall erhalten soll. Das Testament ist dabei die Form, die den Erben Rechtsklarheit verschafft. Empfehlenswert ist die Form des notariellen Testaments. Der Notar berät und kann zu weiteren Vorkehrungen hilfreiche Tipps geben: Sollte eine Vorsorgevollmacht aufgesetzt werden oder ist es sinnvoll, eine Kontovollmacht zu erteilen? In der Notsituation ist es leider oft zu spät. Daher ist der Gang zum Notar in diesen höchstpersönlichen Angelegenheiten unbedingt zu raten.

Martina KunzeNotarin Martina Kunze berät Sie gern zu Ihren erbrechtlichen Fragen.

 

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