Das gemeinschaftliche Testament als Kopie rechtswirksam?

Verfügung von Todes wegen

Eine Verfügung von Todes wegen ist das Testament. Damit kann der Erblasser selbst bestimmen, wer im Fall seines Todes über seine Vermögenswerte verfügen darf.

copy-160129_1280Letztwillige Verfügung in Kopie?

Das OLG Naumburg hatte in einem Rechtsstreit (2 Wx 41/12) die Frage zu klären, ob die Kopie eines gemeinschaftlichen Testaments eine wirksame letztwillige Verfügung darstellt. In dem Fall stritten vier Kinder um das Erbe. Es lagen mehrere Testamente vor. Nach dem Tod des Vaters beantragt eine seiner Töchter aufgrund seines Testaments aus dem Jahr 1996 einen Alleinerbschein. Dagegen wandten sich die anderen Kinder des Erblassers und bezogen sich auf ein späteres gemeinschaftliches Testament der Eltern aus dem Jahr 1997, in dem alle Kinder als Erben eingesetzt worden waren. Dieses Testament konnte jedoch nur in Kopie vorgelegt werden. Nach Ansicht des OLG war das Testament von 1996 wirksam durch das gemeinschaftliche Testament aus dem Jahr 1997 widerrufen worden. Nach dieser Entscheidung kann folglich der Nachweis für die Wirksamkeit des Testaments auch durch Zeugenaussagen erbracht werden. Die Vorlage der Originalurkunde ist nicht zwingend erforderlich. Ist das Original nicht mehr auffindbar, wird dadurch das Testament nicht automatisch widerrufen. In dem Fall stellte die Kopie des gemeinschaftlichen Testaments eine wirksame letztwillige Verfügung dar.

Erbvertrag

Der Erbvertrag ist eine weitere erbrechtliche Gestaltungsmöglichkeit. Während jedoch ein rechtswirksamer Erbvertrag zwingend von einem Notar beurkundet werden muss, kann ein Testament bei einem Notar errichtet werden.

Wissenswertes zum Testament – Einzeltestament, gemeinschaftliches Testament

Wird das Testament eigenhändig errichtet, dann muss der gesamte Wortlaut vom Testamentsersteller, dem Testierenden, eigenhändig aufgeschrieben werden. Außerdem sind Ort- und Datumsangabe erforderlich und eine eigenhändige Unterschrift. Ein Testament kann als Einzeltestament oder als gemeinschaftliches Testament errichtet werden. Der Verfügende muss sich nicht an die gesetzliche Erbfolge halten, sondern kann mit ihm nicht verwandte Personen als Erben benennen. Er kann Vermächtnisse oder Testamentsvollstreckung anordnen.

Das gemeinschaftliche Testament kann ausschließlich von Ehegatten errichtet werden. Ausreichend ist es dabei, wenn einer der Ehegatten das Testament eigenhändig schreibt und beide Ehegatten das Testament unterschreiben.

Aufbewahrung des Testaments

Für die eigene Rechtssicherheit ist es ratsam, das Testament beim Nachlassgericht zu verwahren. Den späteren Erben bleiben möglicherweise teure und langwierige Gerichtsprozesse erspart.

Für Fragen rund um die letztwillige Verfügung steht Martina Kunze gern im persönlichen Gespräch zur Verfügung.

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